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03 / 2009 - Klimawandel und Generationengerechtigkeit


02 / 2009 - Junge Generation unter Druck?

01 / 2009 - Historische Ungerechtigkeit



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03 / 2009 - Klimawandel und Generationengerechtigkeit (PDF
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Neben den bis zum Bersten gefüllten Bücherregalen mit naturwissenschaftlicher Literatur über den Klimawandel findet man in letzter Zeit eine wachsende Sammlung von Büchern über die Ethik des Klimawandels. Das ist wenig erstaunlich, ist doch der anthropozentrische Klimawandel das größte Problem, dem sich die Menschheit gegenübersieht. Die Auswirkungen des Klimawandels stellen eine ernste Bedrohung für die Rechte und Freiheiten gegenwärtig lebender und zukünftiger Personen dar und werden die Ungleichheiten zwischen reichen und armen Staaten noch weiter verschlimmern. Im Wesentlichen lassen sich an dieser Stelle vier unterschiedliche ethische Konzepte unterscheiden:- Verteilungsgerechtigkeit: Die Kapazität der Atmosphäre, Klimagase (Kohlendioxidäquivalente bzw. CO2e) zu absorbieren, ist begrenzt. Das zulässige Niveau an CO2e-Emissionen ist demzufolge dann gerecht, wenn es Jedem das Recht zugesteht, eine bestimmte Menge CO2e in die Atmosphäre abzugeben. Die Ausstoßrechte sind jedoch begrenzt, was heißt, dass die Nachfrage die Verfügbarkeit übersteigt. Gängige Prinzipien der Verteilungsgerechtigkeit können angewandt werden. In analoger Weise zur etablierten Praxis der Aufteilung anderer knapper Güter (Nahrung, Wasser, Wohnraum) zwischen Haushalten könnte auch die Kapazität der Erdatmosphäre, CO2e aufzunehmen, unter den Menschen aufgeteilt werden. - Internationale Gerechtigkeit: Hierbei geht es um die Gerechtigkeit zwischen verschiedenen Staaten, ohne Rücksicht auf die Verteilungspraxis, die in den jeweiligen Staaten angewendet wird. Tatsächlich sind es nicht die Staatsbürger, sondern die Staaten und ihre politischen Führer, die in der internationalen Arena über Emissionsrechte entscheiden. Reine Verteilungsgerechtigkeit (s.o.) könnte erst dann umgesetzt werden, wenn ein einziges Weltparlament existierte, welches die Ressourcen gerecht unter seinen Bürgern aufteilte. In der Realität ist die internationale Arena jedoch in miteinander um Einfluss ringende Nationen aufgeteilt, die unterschiedliche Verhandlungspositionen inne haben und oftmals eng definierte nationale Interessen verfolgen.- Generationengerechtigkeit: Hierbei geht es um die Gerechtigkeit zwischen den Mitgliedern unterschiedlicher Generationen, bei der jede Generation durch ein durchschnittliches Individuum repräsentiert wird. Die CO2e -Aufnahme der Atmosphäre ist, gemessen am menschlichen Zeitverständnis, nicht über einen bestimmten ppm-Wert steigerbar, ohne dass es zu einem gefährlichen Temperaturanstieg (z.B. mehr als 2 Grad) kommt. Wie sollte diese einzigartige Fähigkeit unserer Umwelt zwischen den Mitgliedern verschiedener Generationen aufgeteilt werden? Jede Generation steht dem Problem gegenüber, dass sie jeweils nur schätzen kann, wie effektiv und effizient kommende Generationen die Verringerung der Emissionen betreiben können. Jede Generation hat die Pflicht, sich nicht vom Wunschdenken leiten zu lassen. Ein weiteres Argument ist, dass alle bedeutenden Treibhausgase nach ihrem Ausstoß noch viele Jahrzehnte in der Atmosphäre verweilen. Die kumulierten Emissionen sind schon heute so hoch, dass wegen der Trägheit des klimatischen Systems zukünftige Generationen unter unserem Handeln (und dem unserer Vorfahren) leiden werden.- Historische Gerechtigkeit: Industrialisierte Staaten tragen die Hauptlast der historischen Verantwortung für den Klimawandel, doch die Regionen, die am stärksten unter den Folgen der globalen Erwärmung leiden, sind Entwicklungsländer. Sollten die gegenwärtigen Einwohner der größten Klimasündernationen die Opfer des Treibhausgasausstoßes ihrer Vorfahren entschädigen? Schulden z.B. die gegenwärtigen US-Bürger den gegenwärtigen Einwohnern Bangladeschs Schadensersatz für das Fehlverhalten ihrer Vorfahren?
Historische (oder ausgleichende) Gerechtigkeit wird oftmals mit Generationengerechtigkeit zu einer Gruppe zusammengefasst, da sich beide mit Gerechtigkeit in zeitlicher Dimension auseinandersetzen. Aber das ist ein analytischer Kurzschluss. Die ausgleichende (oder historische) Gerechtigkeit unterteilt eine Generation in Gruppen, d.h. zumindest eine geschädigten Gruppe und mindestens eine. Schädigergruppe. Dagegen fokussiert sich die Generationengerechtigkeit normalerweise darauf, wie ungerechte Handlungen oder Politiken das Wohlergehen eines typischen Mitglieds einer folgenden Generation beeinflussen.
Seinem interdisziplinären Ansatz folgend, repräsentieren die vier Aufsätze das JfGG 3/2009 vier verschiedene Perspektiven, namentlich Ethik (Lumer), Erkenntnistheorie (Hillerbrand), Soziologie (Rothe) und Politikwissenschaft (Oleson et al.). Buchrezensionen und Veranstaltungshinweise runden das Heft ab.

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02 / 2009 - Junge Generation unter Druck? (PDF)
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Dieses Heft nimmt die junge Generation aus zwei Perspektiven in den Blick: Zeit- und Geldknappheit. Obwohl die Lebenserwartung kontinuierlich steigt, klagen viele Menschen darüber, immer weniger Zeit zu haben. Dies gilt speziell für die ,rush hour’ des Lebens, also den Lebensabschnitt zwischen den Mittzwanzigern und den späten Dreißigern, in dem Personen beiderlei Geschlechts gleichzeitig die Anforderungen von Beruf/Karriere und Familiengründung bewältigen sollen. In Bezug auf die finanzielle Situation deutet vieles darauf hin, dass die Kohorten, die heute im jungen Erwachsenenalter sind, im Verlauf ihres Berufslebens nicht mehr dieselben Einkommenszuwächse zu erwarten haben wie ihre Vorgängergeneration. Dies hat wiederum Auswirkungen auf ihre reproduktiven Entscheidungen.
Die SRzG richtete zu diesem Themenkomplex ein Symposium vom 4. bis 6. Juli 2008 im WannseeForum in Berlin aus. Die Veranstaltung wurde von der VW Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Haniel Stiftung finanziell sowie von Bionade mit Freigetränken gefördert. Die SRzG führte ihre Auseinandersetzung mit dem Thema nach Abschluss des Symposiums fort. Als Ergebnis wird unter anderem 2010 ein Sammelband beim renommierten Wissenschaftsverlag Springer erscheinen.
Den Beginn macht Harald Lothaller (Universität Graz), der in seinem Beitrag einleitend einen kurzen Überblick über das so genannte Phänomen der ,rush hour’ des Lebens gibt. Basierend auf den Daten aus mehreren europäischen Staaten präsentiert er Statistiken über die Zeit, die für verschiedene Aufgaben verwendet wird, und über die Aufteilung dieser Aufgaben bei Doppelverdiener-Paaren mit kleinen Kindern.
Der zweite Hauptartikel, verfasst von Prof. Dr. Ute Klammer (Universität Duisburg-Essen), beschäftigt sich mit der ungesicherten Arbeitsmarkteinbindung der jungen Generation, die gerade während der ‚rush hour’ des Lebens einen großen Einfluss auf die Entscheidung zur Familiengründung hat. Klammer diskutiert auch Ansätze für eine lebenslauforientierte und nachhaltige Sozialpolitik, die den Belastungen entgegensteuern soll.
Dr. Tomáš Sobotka (Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) konzentriert sich in seinem Artikel auf die späte Mutterschaft als einen Weg, um die ‚rush hour’ des Lebens zu entzerren. Er zeigt auf, dass vor allem für höher qualifizierte Frauen das Verschieben der Schwangerschaft auf einen späteren Zeitpunkt zunehmend zur präferierten Option wird. Der Beitrag bespricht deshalb auch die Maßnahmen, die die Politik zur Unterstützung von (späten) Schwangerschaften setzen könnte.
Der Artikel von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität Bamberg) konzentriert sich auf die Arbeitsmarktsituation von jungen Berufseinsteigern. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass diese Gruppe zu den ‚Verlierern’ der Globalisierung gehört.
Der Beitrag von Prof. Dr. Louis Chauvel (Sciences Po, Paris) dreht sich um die Einkommensverhältnisse verschiedener Kohorten in Frankreich. Im Jahr 1977 verdiente ein Dreißigjähriger im Durchschnitt 15 Prozent weniger als ein Fünfzigjähriger, heute verdient er 40 Prozent weniger. Chauvel analysiert, dass korporatistische Wohlfahrtsstaaten (zu dem auch Deutschland gehört) die institutionalisierten Besitzstände der eingesessenen Arbeitnehmerschaft auch bei zunehmender internationaler Konkurrenz schützten - auf Kosten der Jungen, die dies letztlich finanzieren. Lange war umstritten, ob jüngere Kohorten den erschwerten Berufseinstieg (Praktikaschleifen, Zeitverträge, vermehrte Phasen von Arbeitslosigkeit) in ihren späteren Lebensabschnitten wieder aufholen werden, so dass sich am Ende ihres Lebens ihr Lebenszeiteinkommen nicht mehr von dem früherer Kohorten unterscheidet. Chauvel rechnet nun vor, dass die ‚Narben’ im Lebenslauf keineswegs wieder verheilen.
Der nächste Artikel, verfasst von Prof. Dr. Martin Kohli (European University Institute), hinterfragt, ob es wirklich einen Bruch zwischen den Generationen gibt. Kohli untersucht, ob und wie sich diese mögliche Bruchlinie manifestiert und welche Institutionen als Mediatoren zwischen den einzelnen Generationen wirken.

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01 / 2009 - Historische Ungerechtigkeit  (PDF)
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Die meisten bisherigen Ausgaben dieser Zeitschrift haben ihren Fokus hauptsächlich auf die moralischen Verpflichtungen der gegenwärtigen gegenüber der nachrückenden Generation gelegt. Aber ‚Generationengerechtigkeit’ ist nicht nur zukunftsorientiert, sie umfasst auch die Beziehungen zwischen früheren und heutigen Menschen. Somit ist diese Ausgabe des Journals für Generationengerechtigkeit der Frage gewidmet, wie wir auf vergangene Ungerechtigkeiten und ihre bleibenden Effekte auf das Wohlergehen der gegenwärtig lebenden Menschen reagieren sollten. Bei den relevanten früheren Unrechten, im Besonderen solche Verbrechen, die im Namen eines rechtswidrigen Staates begangen wurden, spricht man oft von „historischen Ungerechtigkeiten“. Sie geben Anlass zu moralischen Ansprüchen und potentiell sogar „Rechten“ der verstorbenen gegenüber der gegenwärtig lebenden Generation. Wir freuen uns und sind stolz darauf, Ihnen fünf Originalbeiträge von Autoren aus Australien, Kanada, Deutschland und der Schweiz präsentieren zu können. Alle in dieser Ausgabe veröffentlichten Artikel haben ein sorgfältiges Peer Review Verfahren durchlaufen. Wir möchten allen unseren Gutachtern (vollständige Liste auf Seite 2) für ihre äußerst nützlichen, konstruktiven Kritiken und Hinweise danken. Von nun an wird das Journal für Generationengerechtigkeit dauerhaft als eine dem Peer Review Verfahren unterliegende Zeitschrift erscheinen, mit dem Ziel, unser Verständnis von Generationengerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung durch unverfälschte und anwendungsbezogene ethische Forschung zu verbessern. Das Journal für Generationengerechtigkeit wird von nun an vierteljährlich in englischer und deutscher Sprache veröffentlicht. Es ist alles andere als offensichtlich, welche Handlungen zurecht als historische Ungerechtigkeiten gelten, die wir dementsprechend den vergangenen Generationen vorwerfen können. In seinem Artikel  „Der Unterschied zwischen historischer Ungerechtigkeit und historischem Übel“ argumentiert Michael Schefczyk, Philosophiedozent an der Universität Erlangen-Nürnberg, dass wir den Begriff ‚historische Ungerechtigkeiten’ für das, was er als „legalisierte natürliche Verbrechen“ bezeichnet, verwenden sollten. Für Schefczyk besteht ein ‚natürliches Verbrechen’ in der absichtlichen Verletzung eines natürlichen Rechts, und legalisiert bedeutet, dass dies durch ein Rechtssystem vorgeschrieben, erlaubt oder toleriert wird. (Diejenigen, die das Konzept natürlicher Rechte nicht benutzen, würden den Begriff ‚natürliche Verbrechen’ vielleicht durch ‚gravierende unmoralische Handlungen’ ersetzen wollen.) Dies, so Schefczyk, ist ein anderes Verständnis von historischen Ungerechtigkeiten, das in Konflikt mit der Standarddefinition der philosophischen Literatur steht. Diese nämlich versteht historische Ungerechtigkeiten nicht in Bezug auf die internen Besonderheiten von Ereignissen sondern hinsichtlich einer Beziehung zwischen dem Ereignis und einem Anspruchsberechtigten. Einerseits ist Schefczyks Definition weiter gefasst als andere Definitionen: unsere derzeitigen politischen Rahmenbedingungen, die zu einer Anhäufung von Atommüll beitragen, oder dazu führen, dass schwangere Frauen dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt werden, könnten demnach historischen Ungerechtigkeiten sein. Andererseits ist es aber auch eine enge Definition: Würden die Mitglieder einer Familie die Mitglieder einer anderen Familie in einem Konflikt über Wasserrechte hinterhältig töten, dann wäre es ein Fall von kollektiver Ungerechtigkeit, nicht aber historischer Ungerechtigkeit, selbst wenn dies in ferner Vergangenheit passiert ist und die beteiligten Personen bereits verstorben sind. Auch wenn Sie nicht mit der von Schefczyk vorgeschlagenen Definition übereinstimmen, ist seine terminologische Diskussion als Einführung in die Thematik gut geeignet. Wie sollten wir nun auf historische Ungerechtigkeiten reagieren? Es gibt hier drei Hauptprobleme. Erstens stellt sich die Frage, ob die verstorbenen Opfer historischer Ungerechtigkeit überhaupt Rechte und Ansprüche gegenüber derzeitig lebenden Menschen haben können. Können zweitens die gegenwärtig lebenden Menschen als indirekte Opfer von Ungerechtigkeiten, die gegen vergangene Generationen infolge ihrer Stellung begangen wurden, angesehen werden? Und wenn, haben die indirekten Opfer dann Rechte auf Entschädigung? Und schließlich stellt sich die Frage, wie wir letztendlich die relevanten Träger entsprechender Pflichten zur Entschädigung identifizieren können. In seinem Beitrag „Generationenübergreifenden Rechte?“ bewertet Richard Vernon, Professor der Politikwissenschaft an der University of Western Ontario (Kanada), die Auffassung sehr kritisch, dass verstorbene Opfer von Ungerechtigkeiten – oder vergangene Generationen im Allgemeinen – als Träger von Rechten gegenüber der heute lebenden Generation verstanden werden können. Aber die Auffassung, dass vergangene Generationen gegenwärtig keine Rechte haben, schließt für Vernon nicht die Möglichkeit aus, dass die bleibenden Effekte dieser Ungerechtigkeiten auch heute noch eine normative Bedeutung haben. Janna Thompson, Professorin der Philosophie an der La Trobe University Melbourne (Australien), stimmt mit einem solchen Verständnis der normativen Relevanz historischer Ungerechtigkeiten nicht überein. In ihrem Beitrag „Historische Verantwortung und liberale Gesellschaft“ argumentiert sie, dass Forderungen von bereits Verstorbenen als Ursprung von Verpflichtungen der heute lebenden Menschen dienen können, und das obwohl heute lebende Menschen nicht für die Ungerechtigkeiten angeklagt werden können, die in der Vergangenheit von anderen begangen wurden und Verstorbene nach ihrem Tod keinen Nutzen mehr aus diesen Ungerechtigkeiten ziehen können. Thompsons allgemeine Darstellung historischer Verantwortung und ihre Interpretation von Reparationsverpflichtungen für historische Ungerechtigkeiten begründen sich auf der Idee, dass Menschen Mitglieder von generationenübergreifenden Gemeinschaften sein müssen um ein sinnvolles Leben führen zu können. Diese Mitgliedschaft in generationenübergreifenden Gemeinschaften befähigt sie, lebensübergreifende Ansprüche zu erfüllen und auch Träger dieser Ansprüche zu sein. Deshalb müssen wir als Mitglieder unserer generationenübergreifenden Gemeinschaft auch Verantwortung für frühere Handlungen übernehmen, die im Namen unseres Gemeinwesens in der Vergangenheit vollzogen wurden.
Der Ansatz von David Miller hinsichtlich historischer Verantwortung unterscheidet sich von Thompsons Darstellung. Aber diese Unterscheidung ist nicht das Anliegen von Pranay Sanklecha, der sich mit der Frage befasst, wie (generationenübergreifende) Nationen Verantwortung erben können. In seinem Beitrag „David Millers über ererbte nationale Verantwortung“ argumentiert Sanklecha, dass im Gegensatz zu Millers Auffassung derzeit lebende Staatsbürger nicht als Träger einer ererbten Verantwortung infolge vergangener Ungerechtigkeiten, die in ihrem Namen begangen wurden, gelten können, und damit auch nicht zu Entschädigungen verpflichtet sind, solange die heutigen Staatsbürger keine Vorteile aus den fraglichen Ungerechtigkeiten gezogen haben. Falls sie zutreffend ist, würde Sanklechas Kritik den Ansatz von Miller bedeutend einschränken, abhängig davon, wie wir die relevanten Fälle interpretieren würden.
Schließlich befasst sich auch der zweite junge Schweizer Philosoph Daniel Weyermann mit diesem Thema. Er unterbreitet eine originelle Interpretation der Ansprüche indigener Völker auf ihr Land, von dem sie oft vertrieben wurden. Sein Beitrag „Der Anspruch indigener Minderheiten auf Land“ sieht deren Forderungen in einer rechtmäßigen Forderung nach Selbstbestimmung begründet. Für Weyermann reflektiert Selbstbestimmung vorpolitische Eigentumsrechte. Somit interpretiert er die Ansprüche indigener Völker auf ihr Land als Ansprüche zur Verwirklichung ihrer vorpolitischen Eigentumsrechte, und die Verwirklichung dieser Rechte ist laut Weyermann wesentlich für die kulturelle Autonomie dieser Völker.