HomeKontaktSitemapImpressumSRzG in anderen SprachenLinks zu Partnerorganisationen
InstitutThemenPublikationenJfGGTagungenPreisePresseJobsBeitritt
Über JfGG
Editorial Board
Hefte

Newsletter







STIFTUNG
FÜR DIE RECHTE
ZUKÜNFTIGER
GENERATIONEN

Mannsperger Str. 29
D-70619 Stuttgart

Fon 0711 / 28052777
Fax 03212 / 2805277
Email
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


Bankverbindung
GLS Gemeinschafts-
bank eG

IBAN: DE64
430609678039555800
BIC: GENODEM1GLS



Über JfGG PDF Drucken E-Mail

Chronik
Das "Journal für Generationengerechtigkeit" als referierte, wissenschaftliche Zeitschrift (zuvor existierte eine Publikation für den Fördererkreis mit dem Titel "Generationengerechtigkeit!") wurde 2008 von der SRzG gegründet. Erster Chefredakteur wurde Dr. Dr. Jörg Tremmel, der zwar Ende 2008 die SRzG verließ, aber die Zeitschrift auch 2009 während eines Fellowships an der London School of Economics and Political Science weiter betreute. Nach der Ausgabe 3/2009 wurde das JfGG aus finanziellen Gründen von der SRzG eingestellt. Die Zeitschrift wurde ab 2011 von Tremmels Arbeitsbereich "Generationengerechte Politik" am Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen, herausgegeben. Da sie im open access Verfahren erschien, darf die SRzG sie auf ihren Webseiten zum Download anbieten. Die älteren Ausgaben (peer reviewed 1-2009 bis 3-2009 bzw. nicht peer-reviewed von 2001-2008) sind auf den Webseiten der SRzG archiviert. Die untenstehenden Angaben zum Profil der Zeitschrift beziehen sich auf die Ausgaben, die bis zur Ausgabe 3/2009 erschienen sind.


Profil
Das Journal für Generationengerechtigkeit (JfGG) zeichnete sich durch seinen interdisziplinären Zugriff auf das Thema Generationengerechtigkeit in der Landschaft wissenschaftlicher Zeitschriften aus. 

Generationengerechtigkeit ist also eine Ethik der Zukunft – im doppelten Sinne. ‚Generation’ als soziologische Kategorie hat lange Zeit in den Gesellschaftswissenschaften und der Philosophie weniger Aufmerksamkeit erfahren als die Kategorien ‚Klasse’ (bzw. deren Abwandlungen ‚Schicht’ oder ‚Milieu’) und ‚Geschlecht’. Zwar hat sich die Forschung seit jeher mit innerfamiliären Generationenkonflikten beschäftigt, aber auf gesamtgesellschaftlicher Ebene hatte der Konflikt ‚alt-jung’ (temporale Generationenen) bzw. ‚heutig-zukünftig’ (intertemporale Generationen) lange Zeit eine geringere Bedeutung als die Konflikte zwischen ‚Arm und Reich’ oder ‚Männern und Frauen’. Nun rücken auch die Generationen verstärkt in den Fokus internationaler Forschung. Theorien der Generationengerechtigkeit thematisieren nicht nur die Zukunft, sondern haben auch das Potential, Politik und Philosophie maßgeblich zu beeinflussen. Im Jahr 1980 stellte der US-amerikanische Philosoph Ernest Partridge ein mangelndes Forschungsinteresse der Philosophie an diesem Thema fest. Seitdem hat sich viel geändert. Im letzten Jahrzehnt ist die Anzahl der Bücher und Beiträge, welche intergenerationelle Gerechtigkeit und Zukunftsethik (im weitesten Sinne) thematisieren, merklich gestiegen. Generationengerechtigkeit zwischen heute lebenden Menschen und zukünftigen Generationen ist seit dem Aufkommen der ökologischen Bewegung eine vielzitierte Begründung, warum die Natur geschützt werden sollte. Zur Zeit wird die Debatte von der Diskussion über den Treibhauseffekt dominiert. In der Auseinandersetzung um intergenerationelle Gerechtigkeit ist in den letzten Jahren ein weiterer Aspekt gerückt. Durch die Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft stehen die Industrieländer vor neuen Herausforderungen. Vor allem in der Debatte über die Krise der Sozialversicherungssysteme wird häufig auf die Figur der temporalen Generationengerechtigkeit, also der Gerechtigkeit zwischen jüngerer und älterer Generation, zurückgegriffen. Auftrieb erhielt die Debatte seit aufgrund der demografischen Entwicklung eine „Wende zum Weniger“ prognostiziert wird. Sind die fetten Jahre vorbei? Müssen die Jüngeren wirklich fürchten, dass sie nicht besser, sondern vielmehr schlechter gestellt sein werden als ihre Eltern? Müssen die Jungen wirklich Angst davor haben, dass sich ihre Lebensqualität im Gegensatz zu der ihrer Eltern verschlechtert? Sind die besten Jahre vorüber?

Die Beiträge sind allerdings in wissenschaftlichen Zeitschriften zerstreut, so dass sich nur schwer ein Überblick gewinnen lässt. Das JfGG hat dies zumindest teilweise zu ändern vermocht, es war die einzige deutschsprachige Zeitschrift, die sich ausschließlich mit intergenerationeller Gerechtigkeit befasste.

Im Folgenden wird ein kurzer Überblick darüber gegeben, aus welchen Disziplinen Forschungsergebnisse von der interdisziplinären Zeitschrift berücksichtigt wurde bzw. eingereicht werden konnten:

Politikwissenschaft: Bestehende politische Programme sind daraufhin zu untersuchen, ob sie generationengerecht sind. Dies ist gesondert für einzelne Politikfelder zu untersuchen, z.B. Umwelt-, Renten-, Gesundheits-, Pflege-, Haushalts- bzw. Finanz-, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Friedenspolitik. Allein die Liste dieser Fragestellungen dürfte einen Eindruck vom Umfang des Forschungsfeldes vermitteln. Hinzu kommt die international vergleichende Perspektive, die eine conditio sine qua no darstellt. In diesem Zusammenhang muss das Strukturproblem innerhalb des politischen Systems, das zu einer kurzfristig orientierten Politik führt, genannt werden: In der Politik haben gegenwärtige Probleme Priorität. Politiker neigen dazu Entscheidungen zu treffen, die schnelle Erfolge versprechen. Jede Demokratie tendiert dazu, kurzfristige Vorteile anzustreben, die Kosten dafür aber in die Zukunft zu verlagern. Zukünftige Individuen sind heute keine Wähler und können somit nicht mitbestimmen über Politikentscheidungen, deren Folgen ihre Lebensbedingungen irreversibel verändern. Sie tauchen im Kalkül des Politikers, der seine Wiederwahl organisiert, nicht auf. Die Zeitschrift sollte deshalb auch eine Plattform sein, um mögliche Lösungen dieses Strukturproblems zu entwickeln und zu diskutieren.
Ein wichtige Frage für „generationengerechte Politik“ ist, ob und wenn ja, in welchen Bereichen die nächste Generation wirklich schlechter gestellt sein wird als die heutige. Hierbei ist unter anderem auf das „Kapitalienmodell“, welches versucht die Hinterlassenschaften bzw. Erbschaften einer Generation in ihrer Gesamtheit zu erfassen (Naturkapital, Sachkapital, Sozialkapital, Kulturelles Kapital, Humankapital etc.), einzugehen. Auch die ‚Generationenbilanzen’, welche die Finanzwissenschaft isoliert für den finanziellen Bereich erstellt, fallen in dieses Forschungsfeld.

Philosophie: Seit der griechischen Antike ist die Idee der Gerechtigkeit ein Gegenstand intensiver philosophischer Debatten. Systematische Konzepte und Theorien zur Gerechtigkeit zwischen nicht überlappenden Generationen wurden allerdings erst in den letzten Jahrzehnten formuliert. Diese Zeitverzögerung erklärt sich aus der unterschiedlichen Reichweite des menschlichen Aktionsradius damals und heute. Erst seit dem 20. Jahrhundert hat der Mensch mit der modernen Technik das Potential, durch sein Handeln das Schicksal von Menschheit und Natur bis in die ferne Zukunft irreversibel negativ zu beeinflussen. Zu Platons oder Kants Zeiten gab es keine Umwelt-, Renten- und Staatsverschuldungsprobleme im heutigen Ausmaß, daher war objektiv der Bedarf nach Gerechtigkeitstheorien, die über einen räumlich und zeitlich begrenzten Bereich hinausgehen, nicht gegeben. Nach Ansicht von Hans Jonas ist das Neuland, das die Menschheit mit der Hochtechnologie betreten habe, für die ethische Theorie noch ein Niemandsland. Die JfGG wollte einen Beitrag leisten, dieses Niemandsland zu erkunden. Innerhalb der Ethik stellte das JfGG Fragen nach einer moralischen Verpflichtung von Einzelpersonen (Mikro-Level), sowie nach den Pflichten von Institutionen (Meso-Level) und ganzen Gesellschaften (Makro-Level). Die Ethik ist die einzige Wissenschaft, sich unmittelbar auf die Frage nach der normativen Gerechtigkeit einlässt. Nur ein hier bewanderter Forscher kann klären: Was heiβt Gerechtigkeit? Inwieweit sind etablierte Gerechtigkeitsprinzipien auf den intergenerationellen Kontext übertragbar? Außerdem ergeben sich bei dem Thema ‚Generationengerechtigkeit’ bestimmte theoretische Fragen nach der Identität und Personalität des Menschen, die unter dem Stichwort ‚Non-Identity-Paradoxon’ diskutiert werden.
Schlussendlich sollen politische und ethische Debatten, die Lösungen zum diesem Thema generieren, auch in die Praxis umgesetzt werden. Hier setzt die dritte Hauptdisziplin, die Rechtswissenschaft, an.

Rechtswissenschaften: Die Zeitschrift verband politische und ethische Thematiken mit rechtlichen Fragen. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise untersucht, ob moralische Verpflichtungen gegenüber zukünftigen Generationen in konkrete rechtliche Verpflichtungen umgesetzt werden können oder nicht. In Beantwortung dieser Frage wollte das JfGG rechtliche Rahmenbedingungen entwickeln, die sowohl auf nationalstaatlicher, wie auch auf internationaler Ebene umgesetzt werden könnte. Einige forschungsleitende Fragen sind:
Sollte das Konzept der intergenerationellen Gerechtigkeit verfassungsrechtlich verankert werden? Sollen künftig lebenden Individuen Kompensationsleistungen zustehen, die diese auch einklagen können? Wie sollen diese Rechte für zukünftige Generationen einklagbar sein, obwohl diese Personen noch gar nicht existieren? Wie soll ein Umweltrecht auf Basis der intergenerationellen Gerechtigkeit aussehen?
Die Rechtswissenschaft als die dritte Disziplin soll Ideen entwickeln, um intergenerationelle Gerechtigkeit in konkrete politische Entscheidungen umzusetzen. 

Weitere gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen, z.B. Soziologie, Bevölkerungswissenschaft oder (Human)-Geographie, streifen das Forschungsfeld, das das JfGG abdeckte. Artikel aus diesen Disziplinen konnten im Einzelfall ebenfalls berücksichtigt werden.