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Handbuch Generationengerechtigkeit, Preis: 25 €. Bestellen...

pdf_button Dieses Buch ist auch als kostenlose PDF Version verfügbar

Die Publikation greift das dringliche Thema Generationengerechtigkeit auf.
Klimakatastrophe, ausufernde Staatsverschuldung, kollabierende Sozialsysteme: Wir leben auf Kosten unserer Kinder. Zeit für eine Ethik, die die Rechte künftiger Generationen berücksichtigt. Generationengerechtigkeit wird in den nächsten Jahren ein Schlüsselthema unserer Gesellschaft. Gerechtigkeit zwischen Alt und Jung ist eine der wichtigsten Begründungen, warum wir Umwelt und Natur schützen sollten. Der Begriff steht jedoch für viel mehr. Er umfasst ein komplettes politisches Programm - von der Umwelt-, über die Finanz- bis hin zur Bildungspolitik.

Das ‚Handbuch Generationengerechtigkeit’ der Stiftung für die Rechte zukünfti­ger Generationen (SRzG) greift dieses dringliche Thema auf und stellt die Diskussion über Generationengerechtigkeit auf eine wissenschaftliche Grundlage. AutorInnen aus den Bereichen Soziologie, Rechtswissenschaft, Psychologie, Medizin, Philosophie und Ökonomie entwerfen in zahlreichen Beiträgen Konzepte für unterschiedliche Gesellschafts- und Politikbereiche.

Im ersten Teil des Buches werden philosophische, religiöse und weltanschauliche Wurzeln der Idee der Generationengerechtigkeit aufgespürt. Der zweite Teil des Buches untersucht, wie eine von den heute regierenden Politikern durchgeführte, generationengerechte Politik konkret aussehen könnte, etwa in den Bereichen Umwelt-, Finanz-, Bildungs-, Kultur-, Gesundheits- und Energiepolitik. Die Autoren des dritten Teils beschäftigen sich damit, wie die Nachwelt institutionell geschützt werden könnte.
Insgesamt entstand aus dem Nachsinnen über ethische Grundsätze ein politisches Programm für eine generationengerechte Welt.

Da uns weit mehr Aufsätze eingereicht wurden, als wir annehmen konnten, erscheint zum Handbuch ein pdf-Ergänzungsband.


INHALT

Kuratorium der SRzG
Vorwort
Die Herausforderung der globalen Moderne: Was ist Generationengerechtigkeit?

Vorstand der SRzG
Einleitung

TEIL 1: GRUNDLAGEN DER GENERATIONENGERECHTIGKEIT

Jörg Tremmel
Generationengerechtigkeit – Versuch einer Definition (Kostenlose Leseprobe)

Dieter Birnbacher
Verantwortung für zukünftige Generationen - Reichweite und Grenzen

Christoph Lumer
Prinzipien der Generationengerechtigkeit

Vittorio Hösle
Dimensionen der ökologischen Krise.
Wege in eine generationengerechte Welt

Yvonne Russell, Elisabeth Kals, Leo Montada
Generationengerechtigkeit im allgemeinen Bewusstsein?
Eine umweltpsychologische Untersuchung

Andreas Scherbel
Die Begründung von Generationengerechtigkeit im Schöpfungsglauben der monotheistischen Offenbarungsreligionen

TEIL 2: GENERATIONENGERECHTE POLITIKEN

Heinz Theisen
Generationengerechtigkeit durch gute Gouvernanz

Rolf Kreibich
Generationengerechtigkeitim Zeitalter globaler Umweltkrisen

Andreas Becker
Generationengerechte Finanzpolitik

Daniel Memmert
Ein Generationengerechtes Bildungssystem

Martin Woestmeyer
Generationengerechte Kulturpolitik

Angelika Werner, Thomas von Lengerke
Generationengerechte Gesundheitspolitik

Wolfgang Gründinger
Generationengerechte Energiepolitik
Wege zum Solarzeitalter

TEIL 3: INSTITUTIONELLE VERANKERUNG

Jörg Tremmel
Positivrechtliche Verankerung der Rechte nachrückender Generationen

Marco Buschmann, Christian Lindner
Ordnungsrahmen für Generationengerechtigkeit in der Demokratie?
Spannungslagen zwischen ethischem Anspruch und politischer Praxis

Christina Lux-Wesener
Generationengerechtigkeit im Grundgesetz?

Anemon Constanze Boelling
Ist die ökologische Generationengerechtigkeit in guter Verfassung?
Vorschläge zur grundgesetzlichen Stärkung ökologischer Generationengerechtigkeit

Johannes Rux
Der ökologische Rat – Ein Vorschlag zur Änderung des Grundgesetzes

Sachregister

Personenregister

Informationen über die SRzG 

Einleitung als pdf

Sachregister als pdf
 


  Stimmen zum Buch:

„Über eine gerechte Verteilung der Lasten zwischen den Generationen immer wieder neu nachzudenken und zu handeln, gehört zu den Wesensmerkmalen seriöser und verantwortungsbewusster Politik. Mit dem ‚Handbuch Generationengerechtigkeit’ legen die Autoren umfassend und engagiert dar: Wir dürfen nicht auf Kosten derer leben, die nach uns kommen. Auch unsere Kinder haben ein Recht auf gesunde Staatsfinanzen, soziale Sicherheit und eine intakte Umwelt. Ihnen sind wir verpflichtet.
Christian Wulff
Ministerpräsident von Niedersachsen

  „Gerechtigkeit zwischen den Generationen und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft sind Prinzipien einer ehrlichen Politik. Das Buch bietet einen sehr guten Überblick über die Dimensionen der Generationengerechtigkeit in den unterschiedlichsten Politikbereichen. Ich empfehle deshalb die Lektüre allen Politikern auf Bundes- Landes und kommunaler Ebene, damit wir bei der Debatte um die notwendigen Reformen in diesem Land eine neue Qualität erreichen und unser Land im Sinne der Generationengerechtigkeit verantwortungsbewusst umgestalten können.“
Katrin Göring-Eckardt

Bündnis 90/Die Grünen-Fraktionsvorsitzende

  „Generationengerechtigkeit ist das große Thema unserer Zeit. Das Handbuch zeigt die Dimensionen des Themas und ist äußerst nützlich für den Tagesgebrauch in Wissenschaft und Politik.“
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker MdB
Vorsitzender des Umweltausschusses des Deutschen

  Bundestags„Generationengerechtigkeit ist Anerkennung der Lebensleistung der älteren und Zukunftssicherung für die junge Generation. Das „Handbuch Generationengerechtigkeit“ leistet einen wertvollen Beitrag dafür, dass diesem Thema endlich der gebührende Stellenwert eingeräumt wird.“
Dr. Guido Westerwelle

FDP-Parteivorsitzender

„Das Thema ist leider topaktuell. Kollabierende Sozialsysteme und knapper werdende Ressourcen drohen die Generationen zu spalten. Das Buch ist wichtig für alle, die über den Tellerrand der aufgeregten Tagespolitik hinausblicken wollen. Zahlreiche Fakten erleichtern den Weg durch das umfangreiche und anspruchsvolle Werk. Eine Pflichtlektüre für alle Politiker.“
Helmut Markwort
Chefredakteur FOCUS

  „Die Stärken des vorliegenden Handbuches zur Generationengerechtigkeit liegen darin, dass es Brücken zwischen philosophischer Grundlagenreflexion und detailkundigen, teilweise auch politisch provokativen Analysen verschiedener Aspekte intergenerationell zu verantwortenden Handelns schlägt. Die Auseinandersetzung mit den einzelnen Beiträgen des Handbuches wird den Diskurs um Theorie und Praxis intergenerationeller Gerechtigkeit argumentativ bereichern und voranbringen. Ich wünsche dem Handbuch daher eine breite und engagierte Leserschaft.“
Prof. Dr. Konrad Ott
Professur für Umweltethik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität GreifswaldMitglied im Rat von Sachverständigen für Umweltfragen

„Generationengerechtigkeit - ein Schlagwort unserer Zeit wird in dem Handbuch ausführlich analysiert und der praktische Politikansatz aufgezeigt. Damit wird ein wichtiger Beitrag zu den verschiedensten Handlungsfeldern zukunftsfähiger Entwicklung geleistet. Besonders in Zeiten
der globalen gesellschaftlichen und ökologischen Krise eine empfehlenswerte
Lektüre, um Visionen zu entwickeln und umzusetzen!“
Christian Unselt
amt. Präsident des Naturschutzbundes NABU

  „Dieses Buch gibt Objektivität nicht einmal vor. Es nimmt Partei - für die Umwelt und die langfristige Lebensqualität, für junge Menschen, für deren künftige Kinder. Und es nimmt diese Position seriös und mit Emphase zugleich ein.“
Dr. Uwe Jean Heuser

Ressortleiter Wirtschaft DIE ZEIT


Vorwort des Kuratoriums der SRzG

WAS IST GENERATIONENGERECHTIGKEIT:
DIE HERAUSFORDERUNG DER GLOBALEN MODERNE

Bei einer Tagung zum Thema „Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie“ der Hanns-Martin Schleyer Stiftung begann der inzwischen verstorbene Hoimar von Ditfurth seine Ausführungen über die langfristigen Folgen der Umweltzerstörung mit folgender Parabel. Cholerabakterien greifen den Körper eines menschlichen Opfers an. Zunächst vermehren sie sich nur wenig und werden von den Immunkräften des Körpers in Schach gehalten. Doch zunehmend kann es ihnen gelingen, durch ständige Vermehrung die Oberhand zu behalten und Stück für Stück den ganzen Körper zu infizieren. Ihrem weiteren Eroberungszug steht nun nichts mehr entgegen. Mehr und mehr wird der gesamte Körper von den Cholerabakterien durchsetzt. Die Bakterien vermehren sich unentwegt. Gerade im Höhepunkt ihres Wachstums, an der Spitze ihres eigenen Erfolges, stirbt der befallene Mensch - und mit ihm alle die Cholerabakterien, die auf seine Kosten gelebt haben.
Diese Parabel ist nicht schwer auf die Situation der heutigen Menschheit zu übertragen. Ist es nicht so, dass die technischen Mittel, deren wir uns bedienen, um die Naturkräfte für unsere Belange zu nutzen, die Grundlagen unserer eigenen Existenz langfristig untergraben? Ist der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen nicht eine verantwortungslose Ausbeutung der Natur und eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber kommenden Generationen, die nicht mehr in den Genuss des Gebrauchs dieser Ressourcen kommen werden? Sind wir nicht gleichzeitig dabei, die Potentiale der erneuerbaren Ressourcen durch Raubbau und Überbeanspruchung langsam aber sicher zu zerstören? Welche Welt hinterlassen wir den kommenden Generationen, in denen es kaum noch Rohstoffe, aber dafür um so mehr menschlich geschaffene Wüsten gibt? Schon die jetzige Bevölkerung von rund 6 Milliarden Menschen lebt nach Ansicht fast aller Ökologen jenseits der biologischen Tragfähigkeit des Systems Erde (Knaus und Renn 1998, 37-43).
Es gibt keinen Grund, diese Probleme zu verharmlosen. Zur Zeit wächst die Weltbevölkerung alle neun Monate um 80 Millionen, also um die Einwohnerzahl von ganz Deutschland. Im Bereich der Energieversorgung ist die Menschheit zu mehr als 80 Prozent auf nicht erneuerbare Energiequellen angewiesen. Diese werden, wenn auch nicht so bald, wie viele noch vor einigen Jahren vermuteten, aber dennoch in absehbarer Zeit, also in Jahrzehnten versiegt sein. Die Versteppung und Verwüstung ganzer Landstriche sind die Folgen einer zu intensiven Bodennutzung oder Waldrodungen. Über 8,1 Millionen Quadratkilometer Acker-, Wald- oder Weideland sind in den letzten 50 Jahren zu Wüsten geworden, jedes Jahr kommen 61.000 Quadratkilometer hinzu. Der tropische Regenwald wird jedes Jahr um 171.000 Quadratkilometer reduziert, mehr als die Hälfte des ursprünglichen Regenwaldes ist bereits vernichtet. Rund 36.000 Arten sterben pro Jahr aus, die meisten davon durch menschliche Eingriffe.  Der Biologe Prof. Hans Mohr resümiert: "Wir leben total von der Substanz. Die hohe Tragekapazität, auf die wir angewiesen sind, verlangt den vollen Einsatz der einmaligen, eng begrenzten fossilen Energie und Rohstoffreserven und die totale Verwandlung der Welt in eine Produktions- und Abfallbeseitigungsmaschine mit gigantischem Energiebedarf (Mohr 1987, 92).
An Kassandrarufen mangelt es also nicht. Von überall erschallt die Forderung, dass unsere Konsumgesellschaften sich ihrer Langzeitverantwortung gegenüber kommenden Generationen und der Natur systematisch entziehen und einem Hedonismus "auf Pump" frönen. Bei aller Griffigkeit dieses Bildes und der intuitiven Einsichtigkeit einer mangelnden Langzeitverantwortung angesichts der schwindenden Vorräte an Rohstoffen und der zunehmenden Verschmutzung von Luft und Wasser dürfen jedoch einige Gesichtspunkte nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens, seit der industriellen Revolution ging es (gemessen am pro-Kopf Einkommen) jeder Generation besser als der vorherigen. Selbst die Versuche verschiedener Institutionen, wie etwa des World Ressource Instituts, anstelle des Bruttosozialproduktes ein um die Ressourcenverminderung und Verschmutzung gewichtetes Nettosozialprodukt (Internalisierung der Umweltkosten) einzuführen, ändern nichts an der Tatsache, dass in allen Industriestaaten und in den meisten Entwicklungsländern in den letzten 20 Jahren ein reales Wachstum an Wohlstand stattgefunden hat (wenn auch wesentlich geringer, als dies das Bruttosozialprodukt zum Ausdruck bringt). Falls dieser Trend anhalten sollte, bedeutet ein bewusster Verzicht der heutigen Generation einen Einkommenstransfer von den heute Ärmeren zu den morgen Reicheren, was nicht unbedingt im Sinne einer gerechten Einkommensverteilung wäre. Auch wenn in den letzten Jahren die Realeinkommen in vielen Ländern stagnieren oder sogar zurückgehen, so ergibt sich daraus noch kein Trend zu einer reduzierten Wirtschaftskraft für die nächsten Jahrzehnte.
Zweitens, zur Hinterlassenschaft einer Generation an die nächste gehören nicht nur die Naturreserven, sondern auch die Quantität und das Qualitätsniveau der anderen Produktionsfaktoren, wie Arbeit, Kapital und Know-how. Zumindest in der Bundesrepublik wie in den meisten anderen westlichen Industrienationen sieht es nicht danach aus, als ob hier eine Verschlechterung in Zukunft zu erwarten sei, wenn man von der hohen Staatsverschuldung einmal absieht (siehe dazu den Beitrag von Becker in diesem Band). Zweifelsohne können diese Produktionsfaktoren einen Zusammenbruch der ökologischen Systeme nicht wettmachen, allerdings auftretende Knappheiten an Naturressourcen kompensieren.
Drittens, seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat es nicht an Untergangsprophezeiungen gefehlt, die einen baldigen Kollaps der Wirtschaft aufgrund der Übernutzung natürlicher Ressourcen vorhergesagt haben. Der bekannte Ökonom John Stuart Mill sah die Notwendigkeit für einen von der Natur auferlegten Zwang zum Nullwachstum bereits für das Ende des 19. Jahrhunderts voraus. Nahezu alle diese Prognosen haben sich als falsch erwiesen. Deshalb ist zumindest der Zweifel erlaubt, ob nicht auch die modernen Kassandrarufe auf falschen Voraussetzungen beruhen. Vor allem unterschätzen viele Analytiker der ökologischen Krise die Selbstheilungskräfte des Marktes und das Potential an Substitutionsmöglichkeiten für knapper werdende Naturgüter.
Viertens, trotz des enormen Bevölkerungswachstums steigt die individuelle Lebenserwartung weltweit (Fritzsche 1992, 29ff). Offenkundig sind angesichts des klinisch-medizinischen Fortschritts und verbesserter Agrartechnik die verbliebenen Ressourcen auch weiterhin in der Lage, die Menschheit zumindest nicht schlechter zu versorgen als in früheren Zeiten, was die Ausstattung mit materiellen Gütern betrifft.
Viele Ökonomen haben aus diesen vier Überlegungen den Schluss gezogen, dass wir weder in einer Umweltkrise leben, noch dass wir unseren Kindern eine schlechtere Welt hinterlassen: Eine Stimme unter vielen, der Ressourcenökonom Prof. Julian Simon: "We are confident that the nature of the physical world permits continued improvement in humankind's economic lot in the long run, indefinitely. Of course, there are always newly arising local problems, shortages, and pollutions... and the solutions usually leave us better off than if the problem had never arisen.” (Simon 1992, 29 f).
Doch die Hoffnung, dass der Menschheit wie schon in der Vergangenheit immer etwas neues einfallen würde, mag diesmal trügerisch sein. Zunächst einmal sind alle Umweltkrisen der Vergangenheit Regionalkrisen gewesen. Die Abholzung und Verkarstung der Mittelmeerländer war zwar lokal verheerend, aber auch begrenzt. Die verkarsteten Flächen bleiben weiterhin Zeugen einer in antiker Zeit begonnenen Waldvernichtung, deren Auswirkungen auch nach zweitausend Jahren noch spürbar sind. Allerdings hat dies weltweit wenig Einfluss gehabt, weil genügend waldreiche Regionen in der Welt verblieben sind. In der Bundesrepublik sind die Waldflächen sogar im Laufe des letzten Jahrhunderts wieder angewachsen und sind heute bei etwa 30 Prozent der Landfläche an einem Punkt angelangt, der ungefähr dem Stand des Mittelalters um 1300 entspricht. Doch weltweit nimmt die Entwaldung in erschreckenden Ausmaß zu. Pro Jahr werden rund 0,5 Prozent des weltweiten Waldbestandes vernichtet. Diese Zahl weist auf den wesentlichen Unterschied der heutigen Umweltsituation zu der früherer Zeiten hin: Die heutige Umweltkrise ist global. Luft- und Wasserschadstoffe sind bis in die letzten Winkel der Erde nachzuweisen, die Reduzierung der tropischen Regenwälder erfolgt weltweit in einem atemberaubenden Tempo und die Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen kann langfristig das Klima auf der ganzen Welt verändern (von Weizsäcker 1992)
Zum zweiten zeigt sich deutlich, dass in den letzten beiden Jahrzehnten Bevölkerungsentwicklung und Produktivitätsfortschritte nicht mehr miteinander Schritt halten können. Trotz höherer Produktion sinkt in vielen Ländern das Pro-Kopf Einkommen. Noch gilt dies nur für die ärmsten Länder der Erde. Aber seit Mitte der 80iger Jahre werden es jedes Jahr mehr Länder. die den Wettlauf zwischen Bevölkerungswachstum und Wirtschaftsentwicklung verlieren. Wahrscheinlich haben wir in der Tat die für die industrialisierte Lebensweise tragbare Kapazität der Erde erreicht, wenn nicht bereits überschritten. Noch steht es in den Sternen, ob ein post-industrielles Zeitalter eine weitere Verdichtung der Menschheit ohne Verlust an personaler Lebensqualität zulassen wird. Viele Ökologen sind da skeptisch.
Drittens, die Veränderungen, die moderne Technik und Produktion in der Umwelt auslösen, erfolgen im Zeitraffertakt. Dass Menschen Arten ausrotten, Wälder vernichten, ihre Umwelt belasten, neue Stoffe der Biosphäre zumuten, ist alles andere als neu. Auf lokaler Ebene waren diese Eingriffe gang und gäbe und trugen oft zu schwerwiegenden Folgen an Mensch und Natur bei. Die in den 20iger Jahren eingesetzten Pestizide werden beispielsweise heute als schwerwiegende Gifte eingestuft und haben nach Ansicht namhafter Toxikologen vielen Menschen das Leben gekostet (Bettman 1974). Die heute eingesetzten Pestizide sind wesentlich harmloser als diejenigen vor 50 Jahren, aber sie werden weltweit eingesetzt. Der Wettlauf zwischen Bevölkerungsvermehrung und Steigerungen der Lebensmittelproduktion zwingt zu immer mehr durchgreifenden und zügigen Veränderungen in der Umwelt: erforderlich sind der umfassende und effizienzsteigernde Einsatz von neuen Techniken und ein intensiver Eingriff in verbliebene Naturflächen. Dies geschieht nicht nur im globalen Rahmen, es vollzieht sich auch alles mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als früher. Rund 100 Arten werden pro Tag durch menschliche Aktivität ausgelöscht. Die Natur benötigt dafür Tausende von Jahren, unsere Vorfahren zumindest Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte. Kennzeichen der heutigen Lage sind also das anhaltende Bevölkerungswachstum, Globalität der Auswirkungen unserer Aktivitäten sowie die Geschwindigkeit der Veränderungen.
Diese drei Kennzeichen (anhaltendes Bevölkerungswachstum, Globalität und Geschwindigkeit) führen zu Überforderungen des herrschenden ökonomischen und politischen Systems, und zwar  national wie international. Weil die Zeit nicht reicht, die Konsequenzen zu messen, die mit bestimmten Eingriffen verbunden sind, lassen sich auch die Folgekosten von menschlichen Aktivitäten kaum mehr sinnvoll abschätzen. Die hohe Geschwindigkeit des Wandels lässt nicht genügend Zeit für die Leistung des Marktes, auf Preissignale hin neue Substitute für knappe Naturgüter bereitzustellen. Ökonomisch ausgedrückt: die Nachfrageelastizität bleibt bei Naturgütern relativ starr, weil der Nachfrager nicht genug Ausweichmöglichkeiten hat, um bei Preiserhöhungen auf andere äquivalente Produkte auszuweichen. Dies war schon bei den Energiepreiserhöhungen in der Vergangenheit so. Viele haben nicht weniger Benzin verbraucht als vorher, sie haben stattdessen die Preiserhöhung durch Einsparungen in anderen Bereichen ausgeglichen. Wer keine andere Wahl hat, als mit seinem PKW jeden Morgen zur Arbeit zu fahren, wird (fast) jede Benzinsteuer zahlen.
Der Markt ist in der Regel ein ideales Lenkungsinstrument, um in Fällen der Knappheit  Substitute bereitzustellen, aber auch er braucht dafür Zeit. Das gleiche gilt im Prinzip für die Politik: Die schnellen Wandlungsprozesse der Globalisierung zwingen die Politik zum permanenten Krisenmanagement anstatt zur Krisenvorbeugung. Selbstredend ist Krisenmanagement immer auf die Gegenwart bezogen und führt nicht zu einer verantwortbaren Vorsorge gegenüber den kommenden Generationen. Gebraucht wird in dieser Situation eine neue Perspektive, eine neue Einsicht und Bereitschaft, die Anforderungen der Generationengerechtigkeit ins eigene Kalkül aufzunehmen. Diese Bereitschaft und diese Einsicht können weder durch den Markt, noch durch die Politik "künstlich" erzeugt werden. Sie müssen aus dem Inneren der heutigen Menschen wachsen. Dazu sind zwei Dinge notwendig: zum einen müssen den Menschen den Zusammenhang zwischen Konsum, Lebensweise, Risikobereitschaft und Naturnutzung besser verstehen lernen (dies ist vor allem eine Bildungsaufgabe), zum anderen muss es zu einer kulturellen Neuorientierung kommen, in der generationenübergreifendes Verhalten gesellschaftlich belohnt und nicht, wie bisher, über kurzfristige ökonomische Prozesse bestraft wird.
Das vorliegende Buch versucht aus der Analyse der heutigen Situation Lösungs- und Handlungswege aufzuzeigen, die es Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen sollen, die Kurzlebigkeit der globalen Moderne zu überwinden und Langfristverantwortung zu übernehmen. Dabei gehen die Autoren weit über den hier aufgespannten ökologischen Problemrahmen hinaus: die ökologische. ökonomische, finanzielle, soziale und kulturelle Dimension der Generationengerechtigkeit wird in unterschiedlichen Perspektiven betrachtet and zu einem ganzheitlichen Verständnis integriert. Erst in der Gesamtschau aller Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens gewinnt nach Ansicht der Autoren das Verantwortungsfeld der Generationengerechtigkeit Kontur. Alle Beiträge zeigen deutlich die Dramatik der heutigen Situation auf, ohne in die üblichen Kassandra Rufe zu verfallen. Stattdessen werden neben der Diagnose auch Lösungswege aufgezeigt: Optionen, wie wir alle aus der Falle der nicht-nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise ausbrechen können.
Das Kuratorium der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen unterstützt die Autoren dieses Bandes bei ihrer Bemühung, das Thema Generationengerechtigkeit einer breiten Leserschaft nahe zu bringen und die jetzt Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf ihre Langzeitverantwortung hin zu verpflichten. Die hier vorgenommenen Analysen sind empirisch bestätigt, sorgfältig recherchiert und faktisch geprüft. Die theoretischen Schlussfolgerungen daraus wurden konsistent abgeleitet. Dieses Buch ist keine „Meinungsmache“, keine esoterische Weltinterpretation im Beliebigkeitsspektrum postmoderner Fülle. Es zeigt in aller Klarheit auf, dass wir alle dazu beitragen, das Kapital zu verbrauchen, von dessen Zinsen unsere Kinder und Kindeskinder einmal leben müssen. Wir hoffen, dass dieses Buch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten wird, die dort beschriebenen Einsichten in die Köpfe der Menschen zu bringen, die an verantwortlicher Stelle wichtige Entscheidungen über unser aller Zukunft treffen müssen, und gleichzeitig die Zuversicht zu verbreiten, dass wir bei gemeinsamer Anstrengung diese gewaltige Herausforderung bewältigen können.

Stuttgart/Ulm/Berlin/Heidelberg/Ann Arbor

Prof. Dr. Rolf Kreibich (Vors.)
Prof. Dr. Ernst U. von Weizsäcker,
Prof. Dr. Ortwin Renn,
Dr. Martin Thunert,
Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher,
Dr. Jürgen Borchert