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"Die 68er. Warum wir Jungen sie nicht mehr brauchen.", Preis: 10 €. Bestellen...


Im Mai 1998 erschien zeitgleich beim Kore Verlag und beim Tremmel Verlag das zweite, von der SRzG herausgegebene Buch: "Die 68er. Warum wir Jungen sie nicht mehr brauchen." Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der 68er-Revolte fragte die SRzG, welche Bedeutung die Jugend den 68ern zumisst, gerade auch im Hinblick auf politische Gegenwartsfragen. Die Autoren und Autorinnen waren sich einig, dass die "Alten", die 68er, sich allmählich zurückziehen und das Feld der nächsten Generation überlassen sollten.

Vorwort zum Buch "Die 68er – Warum die Jugend sie nicht mehr braucht"

1998 jährt sich die 68er-Revolte zum dreißigsten Mal. Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG), gegründet 1997, gibt aus diesem Anlaß einen Sammelband über die 68er und ihre Bedeutung für die heutige junge Generation heraus. Die Stiftung tritt nicht nur für die Rechte der jungen und künftigen Generationen ein, sondern versteht sich auch als ein Think-Tank, der darüber hinausgehende gesellschaftspolitische Themen aufgreift und analysiert.

Viele Betrachter der politischen Szene sind der Meinung, daß die 68er heute ihren damals propagierten "Marsch durch die Institutionen" erfolgreich abgeschlossen haben. Denn sie stellen inzwischen (zumindest in Westdeutschland) die Mehrheit der Professoren- und Lehrerschaft und dominieren die öffentliche Meinung. Für viele der heute politisch interessierten jungen Leute sind die 68er gewissermaßen geistige Väter und Mütter. Mehr und mehr fragt man sich, ob die junge Generation die Werte der 68er vollständig übernehmen will oder ob sie mittlerweile auch eigene Ideen hat und verfolgt. Im zweiten Buch der Stiftung* erörtern zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen der jungen Generation, was die 68er aus der Sicht ihrer Nachfolger richtig gemacht haben und was an ihnen damals und heute zu kritisieren ist. Dabei kommt es ihnen mindestens so stark auf die Gegenwartsfragen als auf eine historische Betrachtung an.

Der jüngste SPD-Bundestagsabgeordnete, Hans Martin Bury, befürchtet einen "Clash der Generationen". Er fordert mehr Chancen junger Menschen in Parteien und eine Reform der Rentenversicherung, des Steuersystems und des Bildungswesens, kurz: einen neuen Generationenvertrag. Schärfer noch als Bury geht sein Bundestagskollege Matthias Berninger, jüngster Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, die 68er an. Sein rhetorisch brillanter Beitrag dürfte zahlreiche Diskussionen auslösen, denn selten hat ein junger Autor seine politischen und geistigen Eltern so vehement daran erinnert, daß man nicht mit den Rezepten von gestern die Probleme von heute lösen kann. Ergänzt und erweitert wird Berningers Analyse durch die Dokumentation des Generationenkonfliktes bei den Grünen, wie sie Mathias Wagner aus der Insiderperspektive wahrnimmt. Michael Kauch – gleiche Generation aber andere Partei – geht auf die Zukunft der Arbeitsgesellschaft im Zeitalter der Globalisierung ein und fordert lebenslanges Lernen. Maja Schmidt, wie Kauch bei den Jungen Liberalen, zeigt auf, was dazu im Bildungswesen verändert werden muß.

Das Denken junger Frauen heute hat viele Forderungen der Feministinnen von 1968 verinnerlicht – und gleichzeitig modernisiert und an die heutige Zeit angepaßt. Manuela Rottmann (Grün-Alternatives Jugendbündnis) beschreibt, daß die Lila-Latzhosenfeministin mit ihren "Schwanz-ab-Parolen" heute out ist, das Ideal der Gleichberechtigung aber auch bei den Girlies der 90er noch hoch im Kurs steht.

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzen die beiden jüngsten Autorinnen, Natalie Immel und Sue Hermenau, mit ihrer Beschwerde über Belästigungen durch Ausländer. Kaum zuvor dürften so junge Autorinnen einen so differenziert geschriebenen Beitrag über ein so schwieriges Thema verfaßt haben. Dennoch wird auch hier ein Tabu der 68er bloßgestellt – und dann munter gebrochen. Die fehlende demokratische Streitkultur der 68er ist denn auch der Schwerpunkt von Martin Viehöver, dem Bundesvorsitzenden der Jungen Ökologen. Die herrschenden Meinungen werden als die Meinungen der Herrschenden entlarvt. Benjamin Kiesewetter schließlich kritisiert die pädagogischen Vorstellungen der 68er, die "antiautoritäre Erziehung" forderten und praktizieren wollten. Weder ein Zurück zur traditionellen, autoritären Erziehung noch eine "moderne Werteerziehung" darf seiner Meinung nach die Reaktion auf die Fehler der 68er-Eltern sein. Vielmehr müsse sich unsere Generation generell von "Erziehung" verabschieden.

Arne Weiß und Julia Junger fragen, ob die Studentenstreiks 1997 mit der vorrevolutionären Stimmung im Jahr 1967 vergleichbar sind. Christopher Gohls Polemik über das "Volksfest Deutschland" wird manchen Älteren nachdenklich machen, ruft sie ihnen doch in Erinnerung, daß sie selbst für vieles verantwortlich sind, was sie heute bei der Jugend beklagen. Der Beitrag von Jörg Tremmel schließlich versucht, die Stränge zusammenzuführen und das Gemeinsame zu finden.

Die meisten Autoren des Buches sehen die 68er-Revolte kritisch. Damit niemand vergißt, daß es auch andere Meinungen gibt, verteidigt Frank Winter im letzten Autorenbeitrag fulminant die 68er-Ideale (nicht die heutigen Alt68er). Aus linker Sicht analysiert er die Entwicklungen der 60er Jahre und untersucht, wie die 68er ihren schon fast mythischen Heldenstatus errangen. Der renommierte Politologe Claus Leggewie hat das Privileg des letzten Wortes: Er kommentiert das Ganze noch einmal aus 68er-Sicht.

Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen als Herausgeberin hat sich bemüht, neben "normalen" Jugendlichen junge Leute aus verschiedenen Parteien zu Wort kommen zu lassen. Für uns war nicht entscheidend, einen Proporz aller Parteien zu erreichen, sondern jungen Leuten aus verschiedenen politischen Richtungen, die etwas zum Thema zu sagen haben, ein Forum zu bieten. Auch wenn das Buch nicht beansprucht, repräsentativ für die junge Generation zu sein, so gibt es sicherlich die heutige Grundstimmung unter den meisten Jugendlichen treffend wieder.

Kein der Stiftung angebotener Beitrag wurde abgelehnt, alle aufgenommen. Schon dieser Umstand zeigt, daß die Meinungen der Einzelbeiträge selbstverständlich nicht notwendigerweise mit den Meinungen der Vorstandsmitglieder oder der Kuratoriumsmitglieder der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen übereinstimmen. Die SRzG hat auch solche Beiträge mit hineingenommen, deren Tenor von der Mehrzahl der Stiftungsmitglieder wohl nicht geteilt wird. Wir fühlen uns aber Voltaires berühmtem Satz verpflichtet: "Ihre Meinung ist das genaue Gegenteil der meinigen, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß sie sie äußern dürfen."

Die Beiträge ergänzen sich vielfach, Überschneidungen sind durch einen glücklichen Zufall eher selten geblieben. Wenn in mehreren Beiträgen auf eine Sache eingegangen wird – die Globalisierung ist so ein Thema, das mehrere Autoren zu beschäftigen scheint – so kommen dabei unterschiedliche Blickwinkel zur Geltung.

Die jungen Autoren – auch die nicht im Vorwort erwähnten – scheint mehr zu verbinden als zu trennen. Die Generationszugehörigkeit scheint ein mindestens ebenso starkes Band zu sein wie die Parteizugehörigkeit, was für Ältere eine Überraschung sein dürfte.

Mit diesem Buch meldet sich die bisher weitgehend stumm gebliebene junge Generation – als 89er oder neuerdings auch als 98er-Generation bezeichnet – endlich zu Wort. Sie dürfte nicht mehr verstummen, sondern stattdessen die politische Debatte in den nächsten Jahren durch neues, unverbrauchtes Denken nachhaltig beleben.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des SRzG-Vorstands       

Hans Martin Bury
Clash der Generationen

Matthias Berninger
Die 68er im Wahljahr 1998

Mathias Wagner
Start in den Staat des 21. Jahrhunderts. Für einen neuen Generationenvertrag

Michael Kauch
Zukunft der Arbeit: Passen die Konzepte der 68er noch?

Maja Schmidt
1968-1998: Hochschulen und Studierende im Wandel

Manuela Rottmann
”Laßt uns nicht allein, aber geht uns nicht auf die Nerven!” – Über das schwere Erbe der Frauenbewegung

Sue Hermenau und Natalie Immel
”In Berlin lernt man Türken hassen!”

Martin Viehöver
Ablösung überfällig! Jetzt sind wir an der Reihe

Benjamin Kiesewetter
Die 68er und ihre Kinder – Ein Plädoyer gegen antiautoritäre und jede andere Erziehung

Julia Junger und Arne Weiß
Die Zeit ist wieder reif! 30 Jahren nach 1968 ist ein Protest nötiger denn je!

Christopher Gohl
Euer Deutschland – Ein Volksfest ohne Thema

Jörg Tremmel
68er und 89er – Zeit für einen Generationswechsel

Nachwort von Claus Leggewie
 

ausführliches Inhaltsverzeichnis als pdf

Nachwort als pdf